Filmkomponist Jeff Rona über Erfolg: Es reicht nicht, kreativ zu sein

Im Rahmen der Soundtrack Cologne ist der amerikanische Filmkomponist Jeff Rona in Köln zu Gast gewesen. Der Soundtrack-Komponist spricht über Kreativität auf Knopfdruck, Unternehmensführung, sein Erfolgsrezept und das Vertrauen in sich selbst und sein Team. In Köln bot Rona einen Meister-Workshop für Film-Komponisten an und nahm sich zudem die Zeit, über sein Leben und seine Karriere zu sprechen.

Jeff Rona erklärte im Rahmen der Soundtrack Cologne worauf es ankommt, wenn man als Film-Komponist Erfolg haben will. Foto: jeffrona.com

Jeff Rona erklärte im Rahmen der Soundtrack Cologne worauf es ankommt, wenn man als Film-Komponist Erfolg haben will. Foto: jeffrona.com

Der Amerikaner ist berühmt für seine Zusammenarbeit mit Regisseuren wie beispielsweise Ridley Scott, Steven Spielberg und Robert Altman. Seine Projekte haben viele Preise gewonnen, unter anderem einen Oscar, den Peabody & Emmy Award und unzählige andere Film-Festival-Preise auf der ganzen Welt. Außerdem komponierte er für die Olympischen Spiele im Jahr 2008.

„Großartige Filmmusik entsteht aus einfachen Ideen.“ Rona hat leicht reden – er hat Auszeichnungen gewonnen, die großen Filmemacher stehen Schlange. Doch der Amerikaner mit europäischem Ursprung ist sich bewusst, wie viel Glück er hat: „Musik zu Schreiben ist eine Leidenschaft und ein Privileg. Wie viele Komponisten gibt es auf der Welt und wie viele können davon überhaupt leben?“ Rona kann von seiner Musik leben. Was macht ihn so erfolgreich?

Der Filmkomponist führt auch ein Unternehmen

Rona weiß beispielsweise, dass es nicht reicht, wenn er kreativ ist. Schließlich führt er auch ein Unternehmen. „Ich schreibe jeden Tag. Doch manche Tage sind weniger produktiv, als andere. Manchmal habe ich Business-Tage, an denen die administrativen Aufgaben überwiegen und manchmal habe ich Tage, an denen ich der Kreativität freien Lauf lasse.“ An Business-Tagen erledigt Rona seine Korrespondenz, beantwortet Anrufe und hört sich Demos an. „An kreativen Tagen grabe ich mich dann komplett ein, sage Goodbye zur realen Welt. Nur dann kann ich schreiben“, erzählt Rona. Dann gibt es keinen Fernseher, kein Internet, kein Facebook, kein Telefon und kein Radio, die Rona vom Schreiben ablenken könnten. Der einzige, der dann in Ronas Nähe sein darf, ist sein Assistent.

Zum Komponieren hat er sich einen Zufluchtsort geschaffen. „Ich liebe es in diesem Raum zu sein, es ist meine kreative Zone.“ Dort findet er alles, was er braucht: Musikinstrumente, einen Arbeitscomputer – aber keine Ablenkung. Denn steht ein Job an, muss meistens alles ganz schön schnell gehen. „Komponisten haben zwei gute Tage: Der Tag an dem sie den Job bekommen und der Tag an dem sie den Job beenden – alles andere dazwischen ist Druck.“

Kreativität auf Knopfdruck? 

Doch klappt das wirklich mit der Kreativität auf Knopfdruck? „Ich liebe das weiße Blatt Papier. Ich habe keine Angst eine Aufgabe zu beginnen. Auf dem weißen Blatt sind keine Fehler, sobald etwas darauf geschrieben wurde, ist es nicht mehr perfekt.“ Der Start ist also kein Problem. „Am Anfang setze ich mich hin und schreibe so viele Themen wie nur möglich.“ Und gibt den Studenten gleich noch eine Weisheit mit auf den Weg: „Vertraut auf Euch selbst! Am Anfang gibt es keine schlechten Ideen.“

Doch auch Jeff Rona kann mal einen schlechten Tag haben. „Ich gehe jeden Tag zur Arbeit uns weiß nie, wie produktiv der Tag werden wird.“ Manchmal hat er die ersten Ideen schon auf dem Weg zur Arbeit im Auto. Was manchmal gar nicht so gut ist. „Ich habe dasselbe Gedächtnisvermögen wie das eines Goldfisches, deswegen muss ich schnell arbeiten, bevor die Idee wieder weg ist.“

Komponieren im Auftrag kann ganz schön hart sein. „Manchmal muss man die Nächte durcharbeiten, manchmal sieht man sein Zuhause nicht mehr und Schlafen ist nur etwas für Schwächlinge.“ Doch ist es wirklich nötig, dass der Traumjob derart stressig ist? Für Jeff Rona ist es das nicht. „Wenn du dich konzentrierst, dann ist möglich eine Karriere und ein Leben zu haben“, sagt der Komponist. Doch beschränkt Effizienz nicht die Kreativität? „Organisiert sein, ist sehr, sehr wichtig, um engagiert zu werden. Denn warum engagieren Dich die Leute? Weil sie Dir vertrauen.“ Kunden aus dem Filmbusiness vertrauen darauf, dass ein Job in einer bestimmten Zeitspanne auch wirklich nach ihren Wünschen erledigt wird. „Du musst die Fähigkeit haben ihre Vision in einen Sound zu verwandeln. Sie haben Jahre damit zugebracht ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen – und nun ist alles in Deinen Händen. Mach den Film, den Trailer mit Deiner Musik besser.“

Vertrauen – in sich selbst und das eigene Team

Wer sich fragt, was Jeff Rona so alles auf seinem Schreibtisch stehen hat, ist nun klüger. Foto: jeffrona.com

Wer sich fragt, was Jeff Rona so alles auf seinem Schreibtisch stehen hat, ist nun klüger. Foto: jeffrona.com

Auf sich selbst und auf sein Team zu Vertrauen ist also immens wichtig. „Wir vertrauen uns selbst und ich vertraue zudem noch den Menschen um mich herum. Weil wir wissen, dass wir selbst unter den schlimmsten Umständen etwas Gutes Zustande bringen.“ Rona kann sich, so sagt er, immer auf die Menschen verlassen, mit denen er zusammenarbeitet. Er hält Deadlines ein und ist loyal. „Ich arbeite immer mit denselben zwei Technikern zusammen, mit denselben Musikern und mit demselben Orchestrator, der mit mir auf derselben Linie schwimmt.“

Zum Schluss warnt Rona nach vor zu großem Idealismus. Wer sich selbst verwirklichen will, ist im Hollywood-Geschäft fehl am Platze: „Meistens geht es bei den Jobs nicht darum, was man machen kann, sondern was man in der zur Verfügung stehenden Zeit machen kann. In der Zeit bis zur Deadline.“ Und in diesen Zeitrahmen sollte man auch immer etwas Luft für Müßiggang einpla nen – schließlich ist nicht jeder Tag, wie Rona bereits eingangs sagte, so produktiv wie der andere.

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