Partnerschaften mit Unternehmen: Volcano setzt auf alternative Einnahmequellen für Musiker

In einer wirtschaftlich angespannten Zeit eine Management-Firma zu gründen – auf diese Idee kommen nicht viele. Während andere, alt eingesessene Firmen um das nackte Überleben kämpften, wagten die Partner von der dänischen Agentur Volcano im Jahr 2009, mitten in einer Wirtschaftskrise, den Sprung in die Selbstständigkeit. Mit großem Erfolg: der mittlerweile sehr breit aufgestellten Firma geht es wirtschaftlich gut, sie wurde bereits mit Innovationspreisen bedacht und mischt in vielen kulturellen Bereichen in Dänemark weit vorne mit.

Kristian Riis ist einer der Partner der Kopenhagener Agentur Volcano.

Einer der Köpfe hinter Volcano ist Kristian Riis. Der 37-Jährige ist selbst erfolgreicher Musiker, engagiert sich in der Talentförderung und leitete vor der Gründung von Volcano von 2005 an die Geschäfte beim Music Export Denmark (MXD).  Er kennt das Business von beiden Seiten, kennt die Bedürfnisse der Wirtschaftsseite, kann aber auch gut die Rolle der Künstler nachvollziehen. Ein großer Pluspunkt in seinem Job, in dem er oft als Mediator zwischen Wirtschaft und Kultur agiert.

Eine Firma zu gründen, als sich auch die Musikwirtschaft nicht nur wegen sinkender Tonträger-Absätze auf Talfahrt befand, ist mutig. Aber das Konzept ging auf. „Es war keine schlechte Zeit, um mit unserer Firma zu starten. Wir mussten von Anfang an sehr hart arbeiten und konnten beweisen, dass wir selbst in der Krise unseren Künstlern einen Weg zeigen können, wie sie mit ihrer Musik Geld verdienen können“, sagt Kristian Riis. Innovative, erfolgreiche Konzepte zu entwickeln ist das Hauptanliegen von Volcano. Dazu gehört auch Partnerschaften zwischen Musikern/Bands und Wirtschaftsunternehmen zu etablieren.

Dafür hat sich Volcano einen Berater aus dem Profi-Sport an Bord geholt, der seine Erfahrungen mit Partnerschaften zwischen Sportlern und Unternehmen einbringen konnte. Doch sind die beiden Bereiche vergleichbar? „Wir können eine Menge vom Sport lernen. Hier gab es schon immer eine gute Verbindung zu Wirtschaftsunternehmen und die Fans akzeptieren, dass Sponsoring ein Teil des Sports ist. Außerdem konnten wir uns abschauen, wie die Verträge konstruiert sind und zustande gekommen sind“, sagt Riis. Und außerdem hat die Musikbranche die Möglichkeit die Fehler des Sports nicht zu wiederholen. „Niemand möchte einen Künstler auf der Bühne sehen, der wie im Sport üblich, von oben bis unten mit Logos zugepflastert ist. So etwas kann man auch viel eleganter lösen.“  Bei seiner eigenen Band wird beispielsweise das Logo des Partners in den Newsletter eingebunden, die Bandmitglieder zeigen sich immer wieder mit der entsprechenden Automarke – ohne die Werbung aufdringlich in den Fokus zu rücken. „Wenn wir uns jetzt für eine Fruchtfirma für einen Werbespot als Bananen verkleiden sollten, geht das definitiv zu weit. Danach nimmt uns keiner mehr Ernst.“

Wie ein Partnerschaftsvertrag aufgebaut wird

Doch zurück zu den Basics – wie wird ein solcher Partnerschaftsvertrag bei Volcano aufgebaut?  „Zunächst sollte sich die Band bewusst sein, auf welchem Level sie sich befindet. Steht sie noch relativ am Anfang, dann macht es keinen Sinn auf ein riesiges Wirtschaftsunternehmen zuzugehen. Da haben es die Etablierten einfacher“, sagt Riis. Aber auch kleine Bands könnten sich auf lokaler Ebene nach Partnern umschauen.

Wichtig ist auch, dass man sich das Branding der Band anschaut – wofür stehen die Musiker, welche Geschichte erzählen sie? Passt das alles zu dem ausgesuchten Unternehmen? „Es wäre beispielsweise ziemlich unpassend, wenn sich eine Band, die sich für Kinder engagiert, mit einer Brauerei oder einer Zigarettenmarke zusammenschließen würde.“  Bei einem ersten Meeting mit dem Unternehmen wird dann geschaut, was sie sich unter der Partnerschaft vorstellen, welche Ziele sie erreichen wollen. „Die Motive einer Firma sich mit einer Band zusammen zu tun können ganz unterschiedlich sein. Die einen wollen ihr Produkt besser verkaufen, die anderen möchten ihr Image wandeln und manche wollen ihre Mitarbeiter motivieren, indem sie zeigen mit welch cooler Band sie kooperieren.“

Auch die Gegenleistungen, die eine Band für das Geld erbringen muss, können sehr unterschiedlich sein. Mal will eine Firma nur Freikarten für die Shows, mal ein persönliches Treffen oder aber sie wollen die Band tatsächlich für ihre Werbung nutzen. „Hier muss man den gesunden Menschenverstand und sein Bauchgefühl entscheiden lassen, ob man das mitmacht oder nicht.“

Hier, im Büro von Volcano, mitten im Kopenhagener Stadtteil Vesterbro, entstehen die kreativen Ideen. Foto: Jonas Bang

Nachdem die Wünsche beider Seiten erfasst sind, setzt sich Volcano noch einmal mit der Band zusammen – und gemeinsam überlegen sie, ob sie die passende Firma für die Partnerschaft gefunden haben. „Passen die Rahmenbedingungen, stellen wir einen direkten Kontakt her. Denn anders als bei Media-Agenturen wollen wir, dass die Menschen tatsächlich zusammenarbeiten und nicht einfach nur ein Produkt für ihre Werbung bekommen.“  Bei den Gesprächen zwischen den Künstlern und den Unternehmern fällt den Volcano-Mitarbeitern dann die Rolle der Vermittler zu. „Beide Parteien sprechen unterschiedliche Sprachen, so kann es manchmal erst einmal schwer erscheinen einen gemeinsamen Nenner zu finden.“

“Es ist keine Schande kommerziell zu denken”

Wichtig ist, dass sich die Künstler bei solchen Partnerschaften sich von einem Profi beraten lassen. „Sonst kann man dabei auch verloren gehen.“  Es sei jedoch keine Schande kommerziell zu denken und mit der Musik Geld verdienen zu wollen. „Es wird immer Leute geben, die das kritisch sehen. Aber auch Künstler müssen ihre Miete zahlen. Das sollten die Fans bedenken.“

Auch ist eine solche Partnerschaft keine konstante Geldquelle. „Die Verträge haben eine bestimmte Laufzeit, danach geht man wieder getrennte Wege.“ Das sieht Kristian Riis aber nicht unbedingt als Nachteil an. „Es ist gut flexibel zu bleiben. Bands und deren Image verändern sich. Was passend war, muss nicht passend bleiben. Dann hat man die Möglichkeit sich einen neuen, passenden Partner zu suchen.“ Natürlich müssen die Künstler dann aufpassen, dass ihre Glaubwürdigkeit nicht leidet – wenn sie in einem Jahr mit einer Firma zusammenarbeiten und im nächsten Jahr mit einer anderen – und beide absolut konträre Firmenphilosophien haben, dann ist das nicht gut für die Glaubwürdigkeit.

Beim letzten Release seiner eigenen Band verzichtete Riis ganz bewusst auf einen Partnerschaftsvertrag mit einem Unternehmen. Foto: Esther Mai

Oder die Künstler verzichten nach einem ausgelaufenen Vertrag erst einmal auf einen Sponsor. „Wir haben uns bei meiner Band bei unserem letzten Album beispielsweise ganz bewusst dafür entschieden, uns keinen Partner für die Album-Veröffentlichung zu suchen. Das Album ist sehr persönlich, sehr intim geworden. Unser Bauchgefühl hat uns gesagt, dass wir lieber unabhängig bleiben wollen.“ Bereut haben sie diesen Schritt nicht. Anstatt für eine Partnerschaft haben sich sich für eine Kooperation mit I-Tunes entschieden, haben ihre letzte Single und das Live-Album  zur Tour exklusiv über das Download-Portal veröffentlicht. „Das ist ein anderer Weg um zusätzliches Geld zu verdienen. Und ich denke, dass da noch mehr Potential drin steckt, als in Streaming-Portalen“, sagt Riis.

Aus Kooperationen können Projekte entstehen, die schließlich auch Nachwuchskünstlern zu Gute kommen

Aus Kooperationen können aber auch langfristige und vielschichtige Projekte entstehen. Die dänische Band Kashmir, die sich von Volcano managen lässt, suchte für ihr Comeback-Album einen starken Partner und fand ihn mit Royal Unibrew, einem Zusammenschluss von vielen, kleinen, traditionellen dänischen Brauereien.  Gemeinsam entwickelten sie die Kampagne „Tak Rock!“, was übersetzt so viel wie „Danke, Rock!“ bedeutet. Ziel war es, eine starke Verbindung zwischen dänischer Rockmusik und der Biermarke zu schaffen. Kashmir suchten über ein neu gegründetes Band-Portal eine Vorband für ihre Tour. Die Nachwuchsbands konnten sich im Internet registrieren und präsentieren. „Das Portal existiert noch immer, mittlerweile haben sich über 1000 Bands dort eingetragen.“ Dort ist dann ein kurzes Band-Porträt zu lesen, es gibt einen Kalender mit Tourterminen der Bands und Webseiten-Besucher können sich über die neusten „Tak, Rock!“-Aktionen auf dem Laufenden halten. So gibt es derzeit beispielsweise einen Contest bei dem Bands für das Northside-Festival-Warm-Up im Rahmen der Freitagskonzerte in Kopenhagen gesucht werden. Die großen Bandpartner sind derzeit Veto und The Floor Is Made Of Lava. „Royal Unibrew fragte uns, ob wir noch weitere Bands hätten, die sich an „Tak, Rock!“ beteiligen wollen. Eine komfortable Situation, sonst ist es eigentlich so, dass wir auf die Firmen zugehen müssen“, erzählt Riis.

Doch die erste Kampagne lief für alle Beteiligten so gut, dass sie daran festhalten wollten: Kashmir bekamen eine Menge zusätzlicher Aufmerksamkeit, das Image des Exportbiers von Royal Unibrew wandelte sich und der Absatz stieg um 30 Prozent an. Und Volcano? Die gewannen für die Kampagne den „Liljenprizen 2011“, einen Innovationspreis, der laut Riis ein Signal dafür setzte, dass sich die Leute aus der angespannten Situation der Musikbranche auch heraus entwickeln können, wenn sie denn wollen. So wie das Team von Volcano, sollten sie sich nach innovativen Konzepten umschauen, sich auf ihr Können konzentrieren und nicht den Kopf jammernd in den Sand stecken. „Niemand wird kommen, um dich zu retten!“ Und tatsächlich ist von einer Krise in der Musikindustrie bei Volcano nichts zu spüren. Dem Unternehmen geht es wirtschaftlich gut. „Wir müssen hart dafür arbeiten, um besser als andere zu sein und unsere Produkte zu verkaufen“, sagt Riis. Was aber auch mit einer Menge Spaß verbunden sei.

Info: Die Kopenhagener Firma Volcano ist keine reine Management-Agentur, sondern ist in vielen kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen aktiv. Management, Booking, Konzert-Promotion sind nur einige Aufgabenfelder. Gleichzeitig betreibt Volcano auch noch das Bremen-Teater, ein altes Theater, das Comedians und Bands eine Auftrittsmöglichkeit bietet, aber auch Fernseh-Shows eine Produktionsstätte bietet. Volcano Concepts ist ein Tochter-Unternehmen, das auf Synergien aus der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Branchen setzt.

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