Stevie Wonder Manager Keith Harris: Künstler stehen heute unter enormem Druck

Einige im Publikum wischen sich die Lachtränen aus den Augen, die „Immer-Beschäftigten“ haben Laptop und Smartphone bereits nach wenigen Sätzen beiseitegelegt, die Aufmerksamkeit des Publikums auf dem Spot-Festival ist nach vorne gerichtet. Keynote-Sprecher Keith Harris hat sie alle mit seinen lebendigen Geschichten und Anekdoten in seinen Bann gezogen. So erzählt er, dass er eines Tages, als er mit Stevie Wonder unterwegs war, fragte: „Wo soll es denn hingehen, Chef?“ Und dieser antwortete trocken: „Woher soll ich das denn bitte wissen? Ich bin blind.“

Keith Harris spricht beim Spot-Festival über die Veränderung der Musikbranche.

Keith Harris spricht beim Spot-Festival über die Veränderung der Musikbranche.


Der Brite Keith Harris ist bereits seit 1974 im Management-Geschäft. Er kennt das Business seit mittlerweile fast 40 Jahren, hat bei Plattenfirmen und anderen Musikinstitutionen gearbeitet, beriet viele der großen, britischen Acts. In einem Konferenzsaal im Radisson Hotel in Aarhus erzählte er auch darüber, was sich im Laufe der Zeit alles verändert hat.

Keith Harris hat für Labels wie beispielsweise Blue Note, Milestone und Motown gearbeitet. In der heutigen Zeit vermisst er sehr die Arbeitsweise der alten Labels: „Wir konnten damals unsere Acts langsam über einen Zeitraum aufbauen. Künstler, die heute einen Plattenvertrag abschließen, stehen von Anfang an unter einem sehr hohen Druck, dass sie sofort einen Hit landen müssen. Und falls sie das nicht schaffen, widmet sich das Label einem neuen Act. Das führt dazu, dass alle sehr auf Sicherheit bedacht sind. Für neue Künstler und Bands ist es sehr schwer, kreativ zu sein.“

Die Rolle des Managers hat sich ebenfalls sehr verändert. „Die Rolle des Managers ist viel wichtiger für den Erfolg eines Künstlers geworden, als das früher der Fall war. Manager müssen heute so viel mehr wissen und machen. Sie müssen sich mit Social Media auseinandersetzen, mit Brand-Management und all diesen Dingen, die sich in den vergangenen Jahren im Musikbusiness entwickelt haben.“

Das digitale Zeitalter bringt viele neue Herausforderungen mit sich

Auch das Digitale Zeitalter bringe neue Herausforderungen mit sich – für die ganze Branche. „Jeder muss sich überlegen, wie er seinem Künstler dazu verhelfen kann, in dem neuen Klima Geld zu verdienen. Alles ist wenig vorhersehbar, alles verändert sich sehr, sehr schnell.“ Es sei nicht einfach mit allen neuen Entwicklungen immer Schritt zu halten. Für den Künstler dennoch das Bestmögliche zu erreichen, sei heute keine leichte Aufgabe.

Es sei aber leichter als früher als Musiker genug Geld für eine solide Lebensgrundlage zu verdienen. „Aber es ist ungleich schwerer ein internationaler Superstar zu werden. Es gibt viel zu viel Konkurrenz, allein schon durch die technischen Entwicklungen, wie das Internet. Du musst dich heute nicht nur am nächsten Umfeld, sondern an Menschen überall auf der Welt messen lassen.“

Keith Harris ist seit 40 Jahren in der Musikindustrie beschäftigt - unter anderem als Manager von Stevie Wonder.

Keith Harris ist seit 40 Jahren in der Musikindustrie beschäftigt – unter anderem als Manager von Stevie Wonder.

Keith Harris hat für viele Künstler das Management übernommen. Er arbeitete unter anderem mit Marvin Gaye, Diana Ross, Smokey Robinson, The Commodores, Rick James, The Supremes, Thelma Houston and Stevie Wonder zusammen. Als er gefragt wird, mit welchem Künstler er am liebsten zusammengearbeitet hat, muss er nicht lange überlegen. „Natürlich ist das Stevie Wonder. Wir haben mehr als 30 Jahre zusammengearbeitet und er hat einfach ein unglaubliches Talent.“ Es sei einfach unmöglich Musik zu mögen und das Privileg, mit einem solch guten Künstler zusammenzuarbeiten, nicht zu genießen.

Doch ein guter Künstler braucht auch ein gutes Management. Gibt es ein Geheimnis, was einen guten Manager ausmacht? „Ich glaube nicht, dass es ein Geheimnis gibt. Es ist doch ganz einfach: Arbeite hart, sei ehrlich und versuche Menschen immer fair zu behandeln.“ Außerdem ginge es beim Management auch immer um eine gute Kommunikationskultur.

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