Was ist das eigentlich: die Popakademie?

Zehn Jahre ist es hier, dass das Land Baden-Württemberg in Mannheim eine Hochschule für Musikwirtschaft, Kreativwirtschaft und Populäre Musik, kurz Popakademie, einrichtete. Seither hat sich eine Menge getan: aus ursprünglich zwei Studiengängen wurden vier, die Akademie stockte ihr Gebäude auf, die Dozenten und Hochschulmitarbeiter lernten kontinuierlich dazu und passten das Curriculum den sich stets verändernden Begebenheiten der Kreativindustrie immer wieder an.

Hier an der Popakademie Mannheim lernen die Studenten alles, was sie für eine erfolgreiche Karriere in der Musikwirtschaft oder als Musiker brauchen.

Hier an der Popakademie Mannheim lernen die Studenten alles, was sie für eine erfolgreiche Karriere in der Musikwirtschaft oder als Musiker brauchen.

Einem Vorurteil begegnen die Studierenden immer wieder, wenn sie erzählen, dass sie an der Popakademie studieren: immer wieder wird erstaunt nachgefragt, ob man dort denn tatsächlich einen anerkannten Studien-Abschluss machen kann. „Wir sind eine ganz normale Hochschule des Landes Baden-Württemberg und unsere Abschlüsse sind staatlich anerkannt und, was noch viel wichtiger ist, sie sind akkreditiert“, erklärt Professor Hubert Wandjo. Das bedeutet, dass Akkreditierungsagenturen die Inhalte und Umstände prüft. Außerdem wird darauf geachtet, ob im Studiengang die Standart-Bachelor- und Master-Ansprüche erfüllt. „Das ist insbesondere für die Studenten wichtig, die bei uns ein Auslandssemester machen. Die müssen dann nicht alles erklären und ihre Credits, die sie bei uns erworben haben, werden auch anerkannt“, sagt Wandjo.

Netzwerke sind das Wichtigste – und diese bilden die Studenten schon während des Studiums

Eine weitere Stärke der Hochschule: die Bildung von Netzwerken. Fragt man Manager, Musiker und jeden anderen, der in der Musikwirtschaft arbeitet, nach seinem wichtigsten Arbeitsinstrument, wird immer wieder das Netzwerk genannt. „Innerhalb dieser Netzwerke vermitteln ehemalige Studenten unseren Absolventen oft einen Job. Früher haben wir sehr oft nachgeholfen, aber mittlerweile füttern sich diese Netzwerke schon fast von selbst.“ Das findet auch Lemaitre, der in einem Interview erzählt, dass das wunderbar funktionierende Netzwerk das Beste sei, was er von seiner Studienzeit in Mannheim mitgenommen habe.

Andere wiederum profitieren von dem einzigartigen Ausbildungskonzept: die Musikstudenten müssen 20 Prozent Musikwirtschaftsfächer belegen, die Musikwirtschaftsstudenten 20 Prozente kreative Inhalte. „Sie müssen verstehen, wie kreative Prozesse funktionieren, damit sie später wirtschaftliche Prozesse besser auf die Künstler abstimmen können. Und die Musiker bekommen einen wertvollen Einblick in die Branche. Sie lernen die Akteure kennen, finden Ansprechpartner und lernen wichtige Grundlagen, wie beispielsweise, was ein Verlag, die Gema oder die GVL machen.“ Außerdem setzt die Popakademie schon sehr früh auf eine Zusammenarbeit zwischen Musik- und Business-Studenten. „Wir animieren unsere Studenten aufeinander zuzugehen. Da sind die Bands, die sich gerade gründen, geht zu denen hin, sagt zu denen „ich manage euch“. Oder ich buche euch, ich versuche gerade hier eine Booking-Agentur aufzubauen.“ So arbeiten die Business-Studenten schon während ihres Aufenthalts im Biotop Popakademie schon mit Musikern zusammenarbeiten – und das macht auch die Qualität des Studiums für beide aus.

Alltag, wie an anderen Universitäten, gibt es an der Popakademie nicht

Einen typischen Tagesablauf eines Studenten der Popakademie zu skizzieren, das fällt Hubert Wandjo nicht leicht. Denn es gibt keinen „Alltag“, wie vielleicht an anderen Universitäten. „Wir sind sehr stark praxisorientiert, auch wenn wir wissenschaftliche Standards haben und diese auch erfüllen.“ Schon nach drei Wochen werden die Musik- und die Business-Studenten zum ersten Mal in gemischte Gruppen aufgeteilt. Sie müssen sich dann eine oder mehrere Bands aus der Akademie anhören und dann verschiedene Themen zu dieser Band bearbeiten. Im A&R-Bereich könnte die Aufgabe dann lauten: „Analysiere das künstlerische Gesamtkonzept und optimiere es.“ Die nächste Gruppe stellt einen Low-Budget-Marketing-Plan, der so gut wie kein Geld kosten darf auf. Die nächste Gruppe bekommt ein typisches Newcomer-Budget und muss mit diesem arbeiten. Andere müssen das Partner-Netzwerk der Band analysieren und optimieren.

Die Studenten der Popakademie diskutieren, wie der weitere Weg der Musikbranche aussehen könnte. Foto: Popakademie

Die Studenten der Popakademie diskutieren, wie der weitere Weg der Musikbranche aussehen könnte. Foto: Popakademie

Das ist aber nur eine der vielfältigen Aufgabenstellungen, mit denen sich die Popakademie-Studenten täglich auseinandersetzen müssen. „Im Hauptstudium systematisieren wir das dann: die Studenten haben dann zweimal pro Woche Projektarbeit“, sagt Wandjo. Das kann dann zu Beispiel eine Kampagne für die Sony sein, die bei der Popakademie anruft und um eine Viralmarketing-Kampagne, zum Beispiel für Puff Daddy, bittet – weil sie selbst gerade keine Kapazitäten dafür haben. Oder eine andere Firma bittet um eine Set-Up-Kampagne für einen Newcomer. Die Beispiele sind vielfältig und immer aus dem realen Wirtschaftsleben. Jeder Student setzt sich im Laufe seines Studiums mit drei solchen Projekten auseinander, der Rest der Zeit ist für Vorlesungen eingeplant.

Im Hauptstudium müssen sich die Business-Studenten für einen Schwerpunkt entscheiden

Im Hauptstudium müssen sich die Business-Studenten außerdem für einen Schwerpunkt entscheiden. Das kann beispielsweise „Digital Innovation Management“ sein. Ein anderer ist Artist-Developement, dann gibt es einen Marketingschwerpunkt und einen Business-Schwerpunkt. Dort geht es dann um den ganzen Zahlenberg, die speziellen Systeme, die auf Musikwirtschaft zutreffen. „Und dann haben wir noch einen Schwerpunkt, der sich Community-Management nennt. Das sind dann die Leute, die in den öffentlichen Bereich wollen – da studiert dann der nächste Dieter Gorny oder der nächste Rock und Pop Beauftragte.“ Oft kristallisiere sich das Talent schon im Laufe des ersten Studienjahres heraus, erzählt Wandjo. Die Studenten würden bei ihrer Wahl aber auch beraten werden: „Ich hab schon manche Leute auf den A&R Schwerpunkt gesetzt, weil man da nicht so viele Talente findet. Auch bei uns ist das eher die Minderheit, aber wenn ich dann einen sehe, der das Talent hat und der will dann seinen Schwerpunkt auf Marketing setzen, dann sage ich ihm, dass er sich nicht verstecken soll. Die Leute bekommen wir aber auch immer untergebracht nach dem Studium. A&R’s werden immer gesucht und Ausbildungen gibt es in der Form eigentlich nicht.“

Hubert Wandjo ist seit zehn Jahren bei der Popakademie dabei.

Hubert Wandjo ist seit zehn Jahren bei der Popakademie dabei.

Laut Wandjo sehen die Studenpläne bei den Musik-Studenten ganz anders, nämlich viel freier aus, damit sie genug Zeit für ihre Bands und musikalischen Projekte haben. So ist ein Praktikum beispielsweise eine Tour ihrer Band, bei deren Zusammenstellung sie dann mit den Business-Studenten zusammenarbeiten.

Dazu kommt dann noch Einzelcoaching und Projekte, bei denen sie selbst unterrichten. Zum Beispiel die „School of Rock“, bei der sich an Brennpunktschulen Musikunterricht geben. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie gut das funktioniert. Wie fasziniert die Kinder sind und wie gut sie sich den ganzen Tag auf eine Sache konzentrieren können.“ Im Hauptstudium können auch die Musikstudenten wählen. Zum Beispiel die Fachrichtung „Educating Artist“, sprich, der Musiker, der sein Wissen weitergibt. Gehörbildung und Pop-Geschichte gehören ebenso zur Ausbildung, wie Business-Einheiten. Viele Künstler belegen auch das Fach Artist-Management. „Sie wollen wissen, was mit ihnen passiert. Sie wollen wissen, was ihr Manager eigentlich zu tun hat und wie die Vertrage, die sich später einmal unterschreiben sollen, aussehen. Oder sie wollen sich eben selbst managen.“ Oftmals geben die Dozenten den Künstlern aber auch den Rat mehr als die vorgeschriebenen 20 Prozent Business-Kurse zu belegen. „Dann haben sie genug Business-Inhalte, um später einmal, beispielsweise als A&R in die Wirtschaft zu gehen.“

Die Popakademie bietet zudem auch Kurse für Nicht-Studenten an – im musikalischen und im wirtschaftlichen Bereich

Das Studium ist an der Popakademie der zentrale Bestandteil der Ausbildung. Wer jedoch keine Zeit oder Ruhe hat, um sich auf ein Vollzeitstudium zu konzentrieren, der kann an der Popakademie auch Einzelkurse belegen. Auch bei den Kursen gibt es sowohl künstlerische, als auch Business-orientierte Seminare. Rund 40 bietet die Popakademie pro Jahr an. Kostenpunkt: zwischen 80 und 250 Euro – je nach Länge des Seminars.

„Im Laufe der Jahre haben sich Kernseminare entwickelt, die immer und immer wieder gebucht werden, die auch immer ausverkauft sind. Besonders gut angenommen werden die künstlerischen Seminare, beispielsweise das Vocal-Coaching, da gibt es einige Amateur-Sänger und Sängerinnen, die gerne mal so ein wochenende belegen. Unsere instrumentale Seminare sind auch immer ausgebucht, weil wir hier sehr gute Lehrer haben. Im Businessbereich laufen gerade steuerliche Sachen sehr, sehr gut.“ Oder die Menschen kommen zur Popakademie, um zu lernen, wie sie ihr eigenes Label gründen können. Vor drei Jahren wollte die Popakademie zu Crowdfunding informieren. Damals mussten die Seminare abgesagt werden. „Wir haben das Thema jetzt wieder aufgenommen und nun ist es ausverkauft. Es war zu früh, das Thema war noch nicht bei den Leuten angekommen. Jetzt ist es in aller Munde, man liest und hört es überall.“ Laut Wandjo bekommen die Seminarteilnehmer sehr gute Unterlagen an die Hand und sollen auch später den Kontakt zu den Dozenten und anderen Teilnehmern halten und so ihr Netzwerk verbessern.

Beim Future Music Camp öffnet sich die Hochschule für externe Gäste. Sie können hier einen guten Einblick in die Lehre der Popakademie bekommen.

Beim Future Music Camp öffnet sich die Hochschule für externe Gäste. Sie können hier einen guten Einblick in die Lehre der Popakademie bekommen.

Schon die Rockstiftung, der Vorläufer der Popakademie hat Seminare angeboten. „Diesen Teil haben wir natürlich übernommen und haben ihn natürlich jetzt auch ausgebaut. Wir machen das im Übrigen bestenfalls kostendeckend. Durch die Seminare rekrutieren wir natürlich aber auch wieder Studenten, die die Akademie an einem Wochenende dann mal kennenlernen können.“

Die Popakademie nimmt einmal pro Jahr Studenten auf – auf 60 Plätze im Bachelor-Bereich bewerben sich bis zu 700 Leute

Zurück zum Studium: einmal im Jahr nimmt die Popakademie Studenten auf. Auf die 60 Plätze, die an der Uni zu vergeben sind, bewerben sich rund 600 bis 700 Studenten. Für den Business-Bereich sind die Bewerbungen nicht so zahlreich, wie für den künstlerischen Bereich. „Bei den Musikern sind es 450 bis 500 Bewerbungen, bei den Business-Leuten 120 auf jeweils zirka 30 Ausbildungsplätze.“

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