Alicen Schneider (NBC) erklärt, wie Musiker ihre Werke in TV-Shows und Serien unterbringen können

Alicen Schneider, Vize-Präsidentin der Music Creative Services NBC, Universal Television erklärt während eines Panels auf der Soundtrack Cologne, wie Soundtrack-Komponisten ihre Werke in TV-Shows und Serien unterbringen können. Leicht ist es nicht, einen Fuß in die Tür der Studios zu bekommen – dennoch haben Musiker gute Chancen, wenn sie einige Regeln beachten.

Bühnenumbau-Pause im Dortmunder Freizeitzentrum West: Aus den Boxen schallt die Titelmelodie der Fernsehserie „A-Team“. Einge Zuschauer summen sofort mit, andere machen sich gegenseitig auf die lustige Umbau-Musik aufmerksam. Andere wiederum lächeln nur müde. So unterschiedlich die Reaktionen auch ausfallen, eines haben die Menschen im Publikum gemeinsam: Sie alle haben die Musik erkannt.

Serien und Filme bringen Musik zu Ruhm und Ehre. Jeder kennt und mag die Stücke, die Woche für Woche über die Mattscheibe flimmern. Jeder kann die Melodien mitsummen, die eng mit den TV-Soaps, der Werbung, den Serien und Talkshows verbunden sind. Doch wer sucht die Stücke eigentlich aus, die zum Ohrwurm werden? Und wie schaffen es Urheber oder Künstler mit ihren Stücken ins Film- oder Fernsehgeschäft?

Alicen Schneider, Vize-Präsidentin der Music Creative Services NBC, Universal Television, erklärt auf der Soundtrack Cologne, wie sie Musik für Serien auswählt. Foto: Esther Mai

Alicen Schneider, Vize-Präsidentin der Music Creative Services NBC, Universal Television, ist für die Musikauswahl einiger Serien, Eigenwerbung und –produktionen zuständig. Wie trifft sie die Entscheidungen, wo und wie wählt sie die Musik aus? Wenn sie sich all die Links anhören würde, die ihr digital zugesendet werden, müsste sie ohne Schlaf auskommen. Rund 200 bis 250  Links landen pro Woche im Postfach der Amerikanerin, aus denen sie Musik für ihre Filme, Serien und TV-Shows aussuchen soll. Wenn sie alle anhören würde, dann müsste sie komplett auf Schlaf verzichten. Auch auf Musik-Archive greift Alicen Schneider nur selten zurück: „Nur wenn ich nach einem einzelnen Instrument suche, dann macht das Sinn.“

Sie verlässt sich lieber auf die Empfehlungen von Freunden, die bei einem Label arbeiten. Sie schlagen ihr Stücke vor, die sie sich unbedingt anhören muss. „Mit der Zeit weiß ich auch, wer meinen Geschmack absolut trifft. Ich bin ein Indie-Girl“, sagt Schneider, die mittlerweile in Miami wohnt. Zuvor lebte sie in Los Angeles – und hoffte, etwas hollywood-untypisch, als Musikerin berühmt zu werden. Als es mit der Bühnenkarriere nicht klappte, wurde sie DJ und heuerte schließlich bei Warner an. Dort arbeitete sich kontinuierlich hoch und landete drei Jahre später bei NBC.

“Musik ist einfach überall”, sagt die Amerikanerin. Sie geht gerne in Clubs, um neue Bands kennenzulernen. Aber manchmal wird sie auch einfach nur von einem Kollegen inspiriert, der gerade Musik auf seinem Laptop laufen lässt. Schwierig wird es dann erst, wenn sie die Produzenten überzeugen muss. „Wenn man einen bestimmten Song in der Serie haben will, dann muss man sie ihn finden lassen. Bei einer Präsentation darf es nicht der erste, aber auch nicht der letzte Song sein.“ Doch wie kommt man überhaupt erst einmal so weit, dass Alicen Schneider die eigene Musik präsentiert?

„Ruft bloß nicht bei mir an“, gibt sie den Zuhörern eines Panels mit auf den Weg. „Schreibt mir lieber eine Mail.“ Doch wie stehen die Chancen, dass sie diese überhaupt lesen wird? „Gut, wenn sie mir ins Auge springt. Sprich mich an, trage etwas, an das ich mich erinnern werde, zum Beispiel einen bunten Schal. Schreibe Soundtrack Cologne in den Betreff und beschreibe dich. Dann werde ich mich erinnern.”  Und wenn man nicht zu den Glücklichen gehört, der schon auf ihrem Radar auftauchen kann? Auch für denjenige hat Alicen Schneider einige Tipps parat. Eigentlich sei es einfach: Man müsse nur einen Music Supervisor von seiner Musik überzeugen – und sein Liebling werden. Ganz einfach?

Alicen Schneider

Anhand eines Einspielers von Warehouse 13 erklärt Alicen Schneider auf der Soundtrack Cologne, wie sie sich für Musik für eine Serienproduktion entscheidet. Foto: Esther Mai

Sehr wichtig sei der Aufbau eines Netzwerkes. Vieles in der Branche laufe über Empfehlungen. Daher sei es ratsam viele Menschen zu kennen und Entscheider zu treffen. Sie werden ein großartiges Werk untereinander empfehlen.

„Mach Deine Hausaufgaben und finde heraus, an welchen Projekten wir gerade arbeiten. Frage uns, was wir genau brauchen“, sagt Alicen Schneider. Komponisten sollen so viel wie möglich über das Projekt im Vorfeld in Erfahrung bringen, damit sie die kurzen und auf den Punkt gebrachten Anweisungen ohne Probleme verstehen. „Die meisten Projektleiter werden so überfrachtet sein, dass sie keine Zeit haben werden, detailliert zu erklären, worum es bei dem Projekt geht.“ Wenn es die Serie schon gibt, für die Musik gesucht wird, gibt es auch Playlisten. Daraus ist ersichtlich, wohin die musikalische Reise gehen soll. Hat der Musiker all diese Aufgaben erledigt, wird man ihm gerne die Erlaubnis erteilen, Musik für das Projekt einzureichen, sagt Schneider. „Ich freue mich immer, wenn mir Leute Vorschläge machen, die sich vorher genau informiert haben. Das verschafft mir manchmal Atempause bei der Suche.“

Ist der Kontakt einmal hergestellt, so macht es Sinn, regelmäßig nachzufassen. „Aber nicht zu häufig. Einmal im Monat nachzufragen, ob wir was Bestimmtes suchen, macht den Namen bekannter.“ Die ersten paar Mal wird es vielleicht keine Antwort geben, aber vielleicht kommt die Agentur oder der Sender auf die Anfrage zurück. Diese sollte einfach und kurz sein: „Kann ich bei der Suche nach etwas Bestimmten vielleicht behilflich sein?“ Diese Anfrage benötigt keine Antwort und ist höflich. Wichtig ist es laut Alicen Schneider auch, dass bei der ersten Anfrage auch wissenswertes über die Firma, die Band, den Verlag hinzugefügt wird. Es ist wichtig zu wissen, um welche Art von Musik es sich handelt, wie groß der Katalog ist und wer die Entscheidungen trifft.

„Bitte schlagt auch nur die Musik vor, an der ihr zu 100 Prozent die Rechte habt oder für die ihr den Rechteinhaber vertretet. Die Entscheider der Branche arbeiten nur mit zuverlässigen und vertrauenswürdigen Quellen zusammen.“ Schlecht sei es, wenn das Urheberrecht nicht völlig geklärt sei, das fiele meist auf den zurück, der die Musik ausgewählt habe. Kommt erst auf den letzten Drücker raus, dass die Rechte für das Stück nicht geklärt sind, kann dies die Kosten enorm in die Höhe treiben und den Supervisor wie einen Trottel vor den Produzenten dastehen lassen. Schlimm sei auch, wenn man in letzter Minute für Ersatz sorgen oder einen Song aus einem Projekt wieder rausnehmen müsse, wenn sich die Rechte nicht klären lassen.

„Es gibt viel Musik, die für Produktionen geschrieben wurde, der Markt ist hart umkämpft. Aber lasst euch nicht entmutigen, hört auf meine Tipps. Und schließlich kommt es doch auf eins an: gute Musik spricht für sich selbst.“ Und wenn man sich sicher ist, einen Hit für eine Serie geschrieben zu haben, so sei die Chance auch gut, dass dieser in den Film eingebaut wird.

 

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